Was macht Digi-Key um die Flutopfer in Deutschland zu Unterstützen?

Ich konnte von Kollegen, Partnern, Freunden und Nachbarn spontan über 2000 Euro Spenden einsammeln. Damit habe ich Notstromaggregate, Naß/Trockensauger, Pumpen, Handwerkzeuge, Tierfutter, uvm. gekauft.

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Mittwoch 21. Juli 2021 (genau eine Woche nach der Flutkatastrophe)
Gegen 10 Uhr fuhr ich in Bad Neuenahr/Ahrweiler von der Autobahn. Voller Elan freute es mich den ersten Rettungshubschrauber zu sehen der jemanden in die Stadt abseilte.

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Danach ging es durch landwirtschaftliche Versorgungs- und Wanderwege in das Dorf Marienthal.

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Dort habe ich mich bei der Einsatzleitung des Krisenstabes erkundigt; diese brauchten nur ein paar Schaufeln. Zu Fuß habe ich dann Häuser aufgesucht bei denen die Besitzer und Freiwillige aufgeräumt haben. Zwei Besitzer sind mir an meinen geliehenen Lieferwagen, eher ein rollender Baumarkt, gefolgt und haben zwei Notstromaggregate, Sauger und eine Pumpe mitgenommen für sich und die Nachbarn. Auf dem Weg zeigten sie mir ein halbes Haus an der Hauptstraße, in dem Ihre Freunde mit dem Schlafzimmer aus dem ersten Stock gerissen wurden. Ein paar Häuser weiter haben sie deren Leichen vor einigen Tagen aus dem Geröll und Schlammbergen in einer Garage gefunden und geborgen.

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Auf die Rettungshelikopter angesprochen wurde mir dann erklärt, daß diese nur noch Leichen in die Sammelzone in Bad Neuenahr fliegen.
Durch die Weinberge konnte ich mich in den nächsten größeren Ort Dernau begeben, eine freiwillige Helferin konnte ich mitnehmen, die zu Fuß unterwegs war, da die Polizei zeitweise keine Freiwilligen mehr in die Stadt gelassen hat.

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Dort verteilte ich weiter was gebraucht wurde; hier ein Notstromaggregat, dort Stromkabel und Werkzeug von Straße zu Straße.
Einem Anwohner konnte ich mit einem Naßsauger helfen. Im Gespräch fragte er was ich sonst noch anbieten könnte. Als ich fragte, ob er Tierfutter bräuchte, hielt der Familienvater inne und erzählte mir mit Tränen in den Augen, daß Ihr Hund – wie die meisten anderen Haustiere in den niedriger gelegenen Straßenzügen – vor einer Woche ertrunken ist, andere wurden einfach aus den Häusern gespült.

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Gegen 13 Uhr habe ich dann an einer freiwilligen Versorgungsstation geholfen, weiteres Werkzeug verteilt und nicht benötigte Babyartikel (Kinder wurden mit den überlebenden Haustieren evakuiert und bei freiwilligen Helfern und in Hotels in der Nähe untergebracht).

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In Dernau sind mittlerweile tausende freiwillige Helfer, meist nur mit Rucksack, Schaufel und Eimer unterwegs. Studenten, Schüler und Menschen die einfach dort hin gekommen sind holen mit Ihren Eimern den Schlamm und Sperrmüll aus den Häusern. Die Versorgung klappt sehr gut, Essen und Trinken gibt es an jeder Ecke, jeder hilft jedem. Die Freiwilligen organisieren sich ohne die Einsatzleitstellen, daß ist effizienter und geht schneller.

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Auf dem Weg ins Nachbardorf Rech, mit dem letzten Notstromaggregat, sah ich, wo die ganzen Helfer mit den großen Maschinen herkommen: aus der ganzen Region, sogar aus dem 6 Stunden entfernten Lübeck und Hannover sind Radlader und Kipplaster unterwegs.

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Auf den 2km nach Rech ist die Straße wieder einseitig befahrbar. In das Dorf kann ich nicht fahren, da Radlader immer noch Geröll und Schutt verladen. Zum Wenden und Parken hatte ein Bergepanzer der Bundeswehr Minuten vorher netter Weise die Reste der Eisenbahnstrecke durchbrochen und einen Parkplatz für Helferfahrzeuge in einem weggespülten Wingert geschaffen. Von dort aus schlug ich mich mit einer Gruppe von 5 Telekom Mitarbeitern, die einsatzbereite Smartphones mit Batteriepacks an Einwohner verteilen nach Rech. Die Telekom hatte ein paar Tage vorher die Netzabdeckung im Tal wieder herstellen können und zusätzliche Kapazitäten in den Netzen geschaffen. Zu diesem Zeitpunkt das einzige Netz was dort flächendeckend funktioniert. Das Stromaggregat wurde in Rech nicht mehr gebraucht. Das kleine Dorf hatte vor ein paar Stunden viele Haushalte wieder anschließen können die mit Großgeneratoren von THW und Feuerwehren gespeist werden.

Mit einem Bauunternehmer aus meiner Stadt, den ich zufällig in Rech wiedergetroffen habe, brachten wir mein letztes Spendenaggregat zurück an meinen Lieferwagen. Ich fuhr zurück nach Dernau, während zwei Kampfjets der Luftwaffe im Tiefflug das Tal durchquerten. Wie der lokale Radiosender vermeldet: dies geschehe für Luftaufnahmen zur besseren Koordination der Einsatzkäfte und zur topografischen Bestandsaufnahme.
Die Laster brachten immer mehr Schutt aus der Stadt und lagern es auf einem Feld, eine haushohe Deponie wird hier angelegt. Abschleppunternehmer aus der Region sammeln die Autowracks ein, die zu vielen dutzenden Haufen am Ortsrand liegen.
Das letzte Notstromaggregat samt Reservekanister geht an ein kleines kirchliches Wohnheim, bei dem ich die Helfer in die Bedienung noch einweise, bevor ich das Tal verlasse und den 2 stündigen Heimweg antrete.

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Mein Fazit: ich habe nicht viele Bilder gemacht, aus Respekt vor den Opfern, die Alle wissen wollten wer gespendet hat und warum. Die Menschen stehen auch nach einer Woche noch unter Schock und funktionieren einfach. Anders erträgt man aber die Situationen, Müll, Schlamm und Geruch von Heizöl, Fäkalien und Abfall auch gar nicht (wir hatten rund 30 Grad).
Die Koordination von offizieller Seite funktioniert nicht gut, was nicht heißen soll, daß die Helfer von THW, Feuerwehren und Bundeswehr nicht alles geben. Aber 90% der Maschinen & Helfer sind aus der Privatwirtschaft und Privatpersonen, ohne die kaum etwas weitergehen würde.
Dutzende Ortschaften und Dörfer, tausende Menschen sind betroffen – ich habe nur drei Orte „besucht“!
Danke auch an meinen Freund Stefan für seine Unterstützung und Hilfe, der mir sein Fahrzeug zur Verfügung gestellt hatte, um die Hilfe ins Katastrophengebiet zu bringen.
Er ist am Abend dann um 23:52h das 4. Mal Vater, einer gesunden Tochter, geworden.

Für weitere Aktionen habe ich ein Paypal-Spendenkonto erstellt.
Link: Flooddonations Ahrtal

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Vielen Dank an Alle, die bei unserer – Hochwasser Aktion Deutschland hilft – mitgemacht haben.